25. November 1999
"Nicht nur Skins sind antisemitisch"
Christlich-jüdische Gesellschaft kritisiert Schlingensief

Marlies Emmerich

Mit einer Festveranstaltung im Abgeordnetenhaus hat die "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit" am Mittwoch ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Der Vorsitzende Joachim Kramarz warnte während der Feier vor einem "neuen Antisemitismus nicht nur in der Skinheadszene". Kramarz kritisierte den Regisseur Christoph Schlingensief. Unter dessen künstlerischer Leitung hatte Meir Mendelssohn, wie berichtet, am Montagabend in der Volksbühne das Publikum zum Ruf "Judensau" animieren wollen.
Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit war 1949 auf amerikanische Anregung hin gegründet worden. In den folgenden Jahrzehnten gehörten der Gesellschaft führende Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche und der Jüdischen Gemeinde an. Auch Stadtverordnete, später Abgeordnete und Senatoren, engagierten sich. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Reinhard Führer, erinnerte unter anderem an Jeanette Wolf, Ernst Lemmer und Heinrich Albertz. Die Gesellschaft will Humanität und Toleranz vermitteln. "Humanität und Toleranz sind unverzichtbare Bausteine der Zivilisation", schreibt Ehrenvorsitzende Ella Barowsky in der Festschrift. Das friedliche Nebeneinander religiöser Gruppen sei oft durch Vorurteile bedroht.
"Der christlich-jüdische Dialog gehört heute zum Alltag", sagte Hermann Simon, Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Doch es habe lange gedauert, bis christlich-jüdische Aktivitäten zum ständigen Programm christlicher Kirchen wie jüdischer Gemeinden gehörten.