Estrongo Nachama
(4. 5. 1918 - 13. 1. 2000)

Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Kuratoriums- und Ehrenmitglied der Gesellschaft 
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Estrongo Nachama (1956)
< Galerie / Nachruf >
Estrongo Nachama wurde 1918 in Saloniki geboren.
Seit 1947 war er Vorbeter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.
Ab 1948 gestaltete er zusammen mit dem RIAS-Kammerchor allwöchentlich die Sabbat-
Feier im Berliner Rundfunksender RIAS.
Nach dem Abitur wurde E. Nachama zum Getreidehandelskaufmann ausgebildet, um das 
väterliche Geschäft übernehmen zu können. Er diente in der griechischen Armee, nach deren
Niederlage er wie alle Juden Salonikis zusammen mit seiner Familie im März 1943 nach
Auschwitz deportiert wurde. Als einziger Überlebender seiner Familie wurde er auf dem 
"Todesmarsch" im April 1945 in der Nähe des KZ Sachsenhausen bei Berlin von sowjeti-
schen Truppen befreit.
Als Vorbeter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mußte sich E. Nachama nicht nur die hier
üblichen Vertonungen jüdischer Gebetsgesänge, die im 19. Jahrhundert von Salomon 
Sulzer in Wien und von Louis Lewandowski in Berlin geschaffen worden waren, aneignen,
sondern sich auch von der sephardischen Tradition* seiner Heimat zur aschkenasischen** 
verändern.
Estrongo Nachama machte sich schnell einen Namen im interreligiösen Dialog zwischen 
Christen und Juden. Er war der erste Vorbeter, der auf evangelischen und katholischen 
Kirchentagen hebräische Gebetsgesänge vortrug. Im Rahmen zahlloser Veranstaltungen des 
gedanklichen Austausches zwischen den Kirchen und anderen gesellschaftlichen Vereini-
gungen, aber auch bei festlichen Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde selbst wurde
E. Nachama in den Nachkriegsjahrzehnten zu einer europäischen Institution seines Faches.
Die fünfzigjährige Geschichte der Gesellschaft Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin
ist ohne ihn nicht denkbar. Sein Gesang auf unzähligen Veranstaltungen der Berliner GCJZ 
war nicht nur musikalische "Umrahmung", sondern selbst ein Beitrag zum christlich-jüdischen 
Gespräch. In vielen Veranstaltungen der Berliner GCJZ, in denen E. Nachama auftrat, wurde 
er - ob an Orgel, Flügel oder Harmonium - von Harry Foß begleitet. 
In den Jahren der Teilung Berlins betreute E. Nachama nicht nur die Berliner Gemeinde, 
sondern auch die wenigen Juden Ost-Berlins. Seit Anfang der 80er Jahre bestand eine 
intensive musikalische Zusammenarbeit mit dem Magdeburger Domchor. Sie fand in der 
Synagoge Rykestraße in Berlin und in vielen anderen Städten der DDR große Publikums-
resonanz.
Quelle: Jüdische Gemeinde zu Berlin (mit Ergänzungen durch GCJZ Berlin)

*  Mittelmeerkreis, Spanien, Italien, Balkanländer, Türkei, Israel, Nordafrika mit westeuropäischem Zweig in 
    Amsterdam und London
** West- und Osteuropa

Zu Estrongo Nachama vgl. auch:
"jüdisches berlin" (Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin), Nr. 21 / Februar 2000
 

Foto: Archiv GCJZ Berlin (1956)