Grußwort des Präsidenten
des Abgeordnetenhauses
von Berlin
Reinhard Führer
anlässlich der Feierstunde zum 50. Jubiläum
der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
am 24. November 1999 im Festsaal
des Abgeordnetenhauses von Berlin

 Reinhard Führer
 

Sehr geehrter Herr Kramarz,
sehr geehrte Frau Ennig,
sehr geehrte Frau Dr. Barowsky,
sehr geehrter Herr Dr. Simon.
meine Damen und Herren,

Es ist für mich eine besondere Ehre und Freude, Sie anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit heute im Abgeordnetenhaus von Berlin begrüßen zu können.

Als 1947 auf amerikanische Anregung erste Überlegungen über die Aufnahme eines christlich-jüdischen Dialogs angestellt wurden, herrschte noch weitgehend Hilflosigkeit in der Bevölkerung darüber, wie den Juden zu begegnen sei, die den Holocaust überlebt hatten und die in Deutschland ein Leben nach dem Überleben wagten.

1949 dann wurde von vielen die Initiative zu einem Dialog zwischen den beiden Religionen als ein großes Zeichen der Ermutigung gesehen.

So waren es im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte nicht nur hervorragende Vertreter der beiden Kirchen und der Jüdischen Gemeinde, sondern auch Stadtverordnete, später Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Deutschen Bundestages, Senatoren und Senatsdirektoren, die sich immer wieder engagierten und einbrachten.

Ich erinnere an Volksvertreter wie Jeanette Wolf und Annedore Leber, Heinrich Keul und Ernst Lemmer. Ebenso erinnere ich an unsere Stadtälteste Frau Dr. Barowsky, an Senatsmitglieder wie Prof. Joachim Tiburtius und Heinrich Albertz.

Ich bin stolz darauf, dass sich auch meine Amtsvorgänger dem Ziel Ihrer Gesellschaft verpflichtet fühlten. Allen voran Peter Lorenz, aber selbstverständlich auch meine unmittelbaren Vorgänger Frau Dr. Laurien und Prof. Haase.

Heute, 1999, können wir sagen: Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Dafür danke ich Ihnen allen.

Für mich ganz persönlich werden die Eindrücke von einer Reise des Präsidiums des Abgeordnetenhauses in den siebziger Jahren nach Israel immer in Erinnerung bleiben.

Unsere Berliner Delegation, geleitet von Peter Lorenz, wurde vom Ministerpräsidenten Begin und dem Präsidenten der Knesset, Schamir, persönlich empfangen. Ein Vorgang, der damals nicht unbedingt üblich war.

Unvergesslich ist mir auch geblieben, wie der damalige Direktor bei dem Abgeordnetenhaus, Winfried Fest, uns vor Ort einfühlsam und mit Geschick immer wieder die Bezüge zum Alten und Neuen Testament einerseits und der aktuellen Situation vor Augen führte.

Dadurch wurde uns erneut deutlich, wie viele historische Gemeinsamkeiten die beiden Religionen über Jahrtausende verbanden und verbinden.

"Friede mit Euch" diesen Gruß findet man häufig in den Heiligen Schriften der Juden und der Christen. Der Frieden als Zusage Gottes an die Menschen, deren Leben nur zu oft von der Angst bestimmt wird.

Frieden unter den Menschen wird aber nicht allein durch diplomatisches Geschick erreicht. Gesellschaften und Organisationen, wie die Ihre sind es, die ganz entscheidend dabei helfen. Hierbei möchte ich besonders die jährlich stattfindende "Woche der Brüderlichkeit" erwähnen.

Sie sind Pfeiler der Brücke, die unsere beiden Religionen verbindet.

Ich möchte deshalb allen Mitgliedern Ihrer Gesellschaft für Ihren unermüdlichen Einsatz in den letzten 50 Jahren - auch im Namen des Abgeordnetenhauses von Berlin - sehr herzlich danken und wünsche Ihnen für die zukünftige Arbeit viel Erfolg.

 

Foto: Abgeordnetenhaus Berlin