Schlusswort
des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung
der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Dr. Hermann Simon
anlässlich der Feierstunde zum 50. Jubiläum der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. am 24. November 1999 im Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin

 
 
Meine Ausführungen, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind - so haben Sie es dem 

Programm entnommen - ein Schlusswort. 

Was soll man sagen, wenn doch so vieles schon gesagt worden ist?

Zunächst habe ich Ihnen die besten Grüße der Repräsentantenversammlung der Berliner 

Jüdischen Gemeinde zu überbringen. In diesem Punkt, davon bin ich überzeugt, sind sich 

21 Repräsentanten einig.  - Wenn das nichts ist!

Der Historiker ist an einem solchen Tag, wie dem heutigen, glücklich. 

Warum?
Dies hat mehrere Gründe:
1.) Wir erleben Geschichte und können mit Goethe sagen: "Ich bin dabei gewesen." *)
     Zu diesem Geschichte-Erleben gehört Ihre Rede, liebe Frau Ennig. Sie sollte gedruckt 

werden!

Und 2.) Wir haben diese Geschichte, und zwar die von 50 Jahren, dokumentiert. Das halte 

ich für außerordentlich wichtig.

Zur heutigen Festveranstaltung wird nicht nur im Anschluss eine kleine Ausstellung eröffnet, 

sondern es liegt eine umfangreiche Dokumentation vor, die die Arbeit der Gesellschaft für 

christlich-jüdische Zusammenarbeit würdigt und in den historischen Kontext stellt. Ein Buch, 

das meines Erachtens Pflichtlektüre in den Schulen werden muss.

Dank gilt hierfür natürlich vor allem dem Autor, Ulrich-Werner Grimm, aber auch der Stiftung 

Deutsche Klassenlotterie, die Druck und Recherchen sowie die Ausstellung ermöglicht hat.

Wer Ausstellungen und Bücher macht, weiß um die Höhen und Tiefen. Dafür, dass aus den 

Tiefen Höhen wurden, ist Herrn Bracksmajer, dem "Chef" des Druckhauses Am Treptower 

Park, sowie den Herren Schröter und Kehrer für Grafik und Satz zu danken.

Wer sich die Festschrift genau ansieht, stellt fest, dass sich die Gesellschaft immer und 

immer wieder nach dem Sinn ihrer Tätigkeit gefragt hat. Wie schwer es war, bis "christlich-
jüdische Aktivitäten zum ständigen Programm der christlichen Kirchen wie der jüdischen 

Gemeinden" gehörten, wie Andreas Nachama in seinem Grußwort schreibt.
Dieser Dialog findet heute auf den verschiedensten Ebenen statt und gehört zu unserem 

Alltag.

Dabei darf es aber nicht bleiben. Gute Worte allein reichen nicht. Ich glaube, die Gesell-
schaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit müssen stärker in die aktuellen Ausein-
andersetzungen eingreifen.Die Jüdische Gemeinde hat, wie Sie sicher der heutigen Presse 

entnommen haben, in einem aktuellen Fall sehr schnell und deutlich ihre Meinung gesagt, 

und wir wollen eigentlich nicht alleine bleiben. So steht es in meinem Manuskript, über dem 

allerdings vermerkt ist: "Es gilt das gesprochene Wort". Das gesprochene Wort lautet nun 

nach Ihren Worten, lieber Herr Kramarz: 

Die Jüdische Gemeinde hat, wie Sie sicher der heutigen Presse entnommen haben, 

in einem aktuellen Fall sehr schnell und deutlich ihre Meinung gesagt, und wir sind 

dankbar, dass wir nicht alleine geblieben sind.

Die Jüdische Gemeinschaft ist im letzten Jahrzehnt stark gewachsen. Wir haben mit vielen 

Problemen zu kämpfen, an die die Gründungsmütter und -väter der Gesellschaft für christlich-
jüdische Zusammenarbeit kaum gedacht haben.
So z.B. die Tatsache, dass christliche Gruppierungen Mission unter den Zuwanderern ver-
suchen. Für uns ist die Sache eigentlich spätestens fast auf den Tag genau seit 230 Jahren 

klar. - Am 12. Dezember 1769  schrieb Moses Mendelssohn in einem Brief an den christ-
lichen Theologen Lavater: Das Judentum ist nur für die Juden verbindlich und gehe nicht 

darauf aus, Proselyten zu machen. "Die Religion meiner Väter will also nicht ausgebreitet 

sein, wir wollen nicht Mißionen nach ... Indien oder nach Grönland senden, und diesen 

entfernten Völkern unsere Religion predigen ... Ich habe das Glück, so manchen vor-
treflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben, Wir lieben uns 

aufrichtig ... Niemals hat mir mein Herz heimlich  zugerufen: ‚Schade für die schöne 

Seele!'"

Das sollte im Jahre 1999 auch andersherum gelten.

Ein Schlusswort soll kurz sein. Wie sagte mir einmal ein Berliner Rabbiner: "Reden Sie 

über alles, nicht aber über fünf Minuten!"

Meine Damen und Herren,
heute wie damals gilt das, was Jeannette Wolff über die Arbeit der Gesellschaft, deren 

50jähriges Jubiläum wir heute begehen, gesagt hat:

"Wir wollen hoffen, dass unsere Arbeit von Gott gesegnet und von den Mitmenschen 

verstanden wird."

 

*) "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei 

gewesen." (Goethe, Campagne in Frankreich)