Siegmund Weltlinger
Siegmund Weltlinger
(1886 - 1974)

Stadtältester von Berlin

Gründungsmitglied,
erster jüdischer Vorsitzender (1949 bis 1970),
Ehrenpräsident (ab 1970)
der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 
in Berlin e.V.
Die ersten, die sich nach 1945 an einem Dialog beteiligten, waren Juden, die sich trotz 
und im Bewußtsein des Erlittenen weiterhin als Deutsche fühlten und bekennen wollten. 
Zu ihnen gehörte der Referent für Kirchenfragen beim Magistrat der Stadt Berlin, 
Siegmund Weltlinger.

29. März 1886
Geburt in Hamburg
 1890
Umzug der Eltern nach Kassel
 1904
Abbruch der Schulausbildung am Königlichen Friedrichsgymnasium
 1905
Einjährigendienstjahr bei einem Artillerieregiment in Kassel, im Anschluß 
daran Abschluß einer Banklehre
 1908
Umzug nach Berlin
Anfang 1914
Erwerb der Zeitschrift „Börsenarchiv"
 1914 bis Sommer 1915
Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Frontsoldat, später Versetzung in die 
Zivilverwaltung als Finanzfachmann der Zentral-Einkaufsge- sellschaft in Belgien
November 1918
Rückkehr nach Berlin
1919
Verkauf der Zeitschrift; Weltlinger wird Börsenprokurist mit Gewinn- beteiligung am 
Bankhaus Julius I. Mayer; Heirat
 1925
Weltlinger macht sich an der Börse selbständig
 1938
Ausstoß aus der Börse durch die Nationalsozialisten
November 1938
Inhaftierung im KZ Sachsenhausen (zwei Monate)
 ab März 1939 bis 
Februar 1942
Angestellter der Jüdischen Gemeinde in Berlin, u.a. leitend verantwortlich für 
die Auswanderungs-, die Abwanderungs- und die Theresienstadt- Abgabe
 1943 bis April 1945
Leben in der Illegalität
ab September 1945
Referent für jüdische Angelegenheiten im Beirat für kirchliche Angelegenheiten des 
Magistrats der Stadt Berlin
 1946
Eintritt in die CDU
 November 1949
Gründungsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in 
Berlin / jüdischer Vorsitzender (1949-1970)
 1959 bis 1967
Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin / Alterspräsident des 
Abgeordnetenhauses
 1961
Ernennung zum Stadtältesten von Berlin
8. März 1970
Ernennung zum Ehrenpräsidenten der GCJZ Berlin
1971
Ernst-Reuter-Plakette
 18. Mai 1974
Tod Siegmund Weltlingers (Hamburg); Ehrengrab auf dem Friedhof der Jüdischen 
Gemeinde zu Berlin, Heerstraße
 
Ergänzte Lebenschronik nach einer Dokumentation der Geschichtswerkstatt am Friedrichsgymnasium Kassel - Peter Adamski (Hg.): "...ich habe es nie bereut, ein deutscher Jude zu sein!" Erinnerungen an Siegmund Weltlinger (1886-1974), Kassel 1997.

 

Heinz Galinski (li.) 
auf der Feier anläßlich des
70. Geburtstages von Siegmund Weltlinger (m.) 
im März 1956 in Berlin
 
 Foto: 1954 (oben), beide Archiv GCJZ Berlin.